Сайт продается, подробности: whatsapp telegram
Скачать:PDFTXT
Gespenster

F;;en vorbei, vor;ber mit ihren Schluchten, Hohlwegen, Bergwiesen, mit den Lichtp;nktchen der schlafenden D;rfer in den T;lern am Ufer der schnellen Gebirgsb;che. Wir waren im Herzen des Schwarzwalds.

Berge, Berge… und Wald, wundervoller alter und kr;ftiger Wald. Der Nachthimmel war klar, und so vermochte ich alle Baumarten zu unterscheiden, zuerst die pr;chtigen Wei;tannen mit ihren geraden und hellen St;mmen. Am Waldessaum ;sten Rehe, schlank und wachsam standen sie auf ihren zierlichen Beinen und horchten in die Nacht. Die Ruine eines Schlosses blickte traurig und stumm, mit halbverfallenen Zinnen, von ihrer nackten Klippe ins Land. Über ihrem alten und vergessenen Gem;uer gl;nzte friedvoll ein Stern.

Land der Legenden! Ein zarter Mondnebel str;mt durch die T;ler, und je weiter die Berge auseinander treten, desto dichter wird er. Ich kann f;nf, sechs, ja zehn verschiedene T;nungen der Schatten auf den Bergh;ngen z;hlen und geheimnisvoll herrscht ;ber all dieser schweigsamen Mannigfaltigkeit der Mond. Leicht und z;rtlich str;mt die Luft und mich ergreift ein Gef;hl, in dem heitere Ruhe ist und dennoch eine tiefe Schwermut.

«Ellis, dieses Land — du musst es lieben!»

«Ich liebe nichts. Ich liebe nichts.»

«Nichts? Und mich?»

«Dich… ja dich!» entgegnete sie, aber wie gleichg;ltig ihr Ton dabei ist. Es scheint mit, als umschlinge mich ihr Arm fester als zuvor.

«Weiter! Weiter!» ruft Ellis mit einer sonderbar kalten Begeisterung. «Weiter!»

***

Über uns erklangen starke und helle Schreie und wiederholten sich gleich darauf ein wenig vor uns.

«Kraniche, die zu euch nach Norden ziehen», erkl;rte Ellis. «Wollen wir uns ihnen anschlie;en?»

«Ja! Trage mich hinauf zu ihnen.»

Wir stiegen auf und waren sogleich neben dem Schwarm.

Die gro;en und sch;nen V;gel (dreizehn im ganzen) flogen in einem Dreieck, ihre Fl;gelschl;ge waren stark, aber nicht h;ufig. Haupt und Beine straff gestreckt, die Brust gew;lbt, so zogen sie unaufhaltsam und schnell dahin. Wunderbar war das Bewusstsein, noch in dieser H;he, in solcher Entfernung von allem Irdischen so starkes und warmes Leben anzutreffen, einen so unbeugsamen Willen. So schwangen sie sieghaft durch den Raum, und nur zuweilen wechselten die Kraniche mit dem vordersten Gef;hrten sp;rliche Schreie. Wie viel Stolz und Sicherheit, welch ein Zutrauen zu sich selbst lag in diesen lauten Rufen, in dieser UNterhaltung in Wolkenh;he. Nord;rts — nord;rts flogen sie dahin.

«Wir fliegen nach Russland», sagte Ellis, und wieder einmal konnte ich wahrnehmen, dass sie fast immer wusste, woran ich dachte. «Willst du schon heim?»

«Ja, nach Hause… oder nein! Ich war in Paris, trage mich nach Petersboerg.»

Ellis hob den Arm… doch ehe noch der Nebel mich umfing, f;hlte ich auf meinen Lippen die Ber;hrung jenes weichen und stumpfen Stachels…

***

«A—achtung!»

In meinen Ohren schallte ein langgezogener Ruf..

«A—achtung!» Verzweifelt kam aus der Ferne der Widerhall.

«A—achtung!» verklang es irgendwo am Ende der Welt.

Ich sah hinab. Eine hohe goldene Spitze… Ich erkannte sofort die Festung Peter-Paul.

Wei;e, nordische Nacht! Darf man das noch Nacht nennen? Es ist eher ein blasser kranker Tag. Diese Petersboerger N;chte habe ich nie geliebt, aber nun erst wurde mir unheimlich. Ellis’ Gestalt war nicht mehr sichtbar, schmolz hin wie in der Julisonne ein Morgennebel, und pl;tzlich gewahrte ich meinen eigenen K;rper schwer und einsam in der H;he der Alexanders;ule in der Luft h;ngen! Petersboerg, da war es also! Diese ;den, breiten und grauen Stra;en, diese wei;grau, graugelb und lilagrau get;nchten und immer ein wenig abbr;ckelnden H;user mit ihren tiefliegenden Fenstern, den grellen Ladenschildern, den kleinen eisernen Schutzd;chern ;ber den Haust;ren und den schmutzigen Gem;sel;den, diese Ziergiebel, Aufschriften, Postenh;uschen und Futtertr;ge, die goldene M;tze der Isaakskirche, die sinnlos bunte B;rse, die Granitmauern der Festung und das ewig schadhafte Holzpflaster, die riesigen Barken mit Heu und Klafterholz, der sonderbare Geruch von Staub, Kohle, Bastmatten und Pferdestall, die erstarrten Nacht;chter, in ihren Schafpelzen vorm Haustor sitzend, und endlich die von bleiernem Schlaf ;ber;ltigten und ganz zusammengesunken auf dem Kutschbock ihrer schon v;llig durchgesessenen ;gelchen hockenden Kutscher — ja, in der Tat, ich erkannte es, unsre nordisches Palmyra. Und alles so unheimlich klar, so schreckhaft hell und deutlich, und alles in traurigem Schlaf, sonderbar grell in der d;mmrigen, durchsichtigen Luft. Ein Abglanz der Abendr;te — ein schwinds;chtiger Schimmer — lag noch immer am blassen und sternenlosen Himmelsbogen (er bleibt bis etwa zum Anbruch des Tages) und auf der seidenen Breite der Newa, die kaum h;rbar und fast bewegungslos und dennoch mitgro;er Eile ihre kalten und blauen Wasser der See zuf;hrte…

«Fliegen wir weiter», bat Ellis.

Sie trug mich, ohne erst meine Antwort abzuwarten, ;ber die Newa und quer ;ber den Schlossplatz der Litejnaja zu. Unten wurden Schritte und Stimmen h;rbar: Eine Schar von jungen M;nnern mit verwelkten Gesichtern schritt dort und unterhielt sich ;ber einen Ball. Ein verschlafener Soldat stand bei einer kleinen Pyramide aus rostigen Kanonenkugeln und ein wenig weiter sah ich am offenen Fenster eines gro;en Hauses ein M;dchen in einem ;rmellosen und zerknitterten Seidenkleid, ein Perlennetz auf dem Haar, im Munde die Zigarette.

«Fliegen wir weiter!» Diesmal sagte ich es.

Einen Augenblick — und schon zogen sich zu unseren F;;en modernde Tannen;ldchen und die mit Moos ;berwucherten S;mpfe hin, die rings um Petersboerg liegen. Unser Weg f;hrte nach S;den — nach und nach wurden Himmel und Erde wieder dunkler. Die kranke Nacht, der kranke Tag und die gro;e karnke Stadt — alles blieb hinter uns zur;ck.

***

Langsamer als sonst war diesmal unser Flug und so konnte ich sehen, wie sich gleich einem unendlichen Panorama meine heimatliche Erde allm;hlich vor mir entfaltete. ;lder, Geb;sche, Felder und Fl;sse — hier und da D;rfer und Kirchen — und wieder Felder und ;lder und Geb;sche… Schwermut ;berkam mich und etwas wie gleichg;ltige Langeweile. Die Erde selber, diese ebene Oberfl;che, die sich dort unter mir ausbreitete, der ganze Erdball mit seiner verg;nglichen, hilflosen, von Not, Qual und Krankheit geplagten und unentrinnbar an die Scholle elenden Staubes gefesselten Menschheit, diese zerbrechliche raue Rinde, diese Kruste ;ber dem flammenden Staubk;rnchen, das wir unsere Erde nennen, bedeckt vom Schimmel, den wir als das organische Pflanzenreich preisen — und all die Menschen-Fliegen, tausendmal nichtiger als die wirklichen Fliegen, und ihre aus Dreck errichteten Behausungen, die winzigen Spuren ihres j;mmerlichen und einf;rmigen Treibens, ihr komischer Kampf gegen das Unver;nderliche und Unabwendbare — ah, wie widerlich wurde mir das alles mit einem Male! Das Herz drehte sich mir langsam im Leibe um, und bald hatte ich genug davon, diese nichtssagenden Bilder zu betrachten, diese Ausstellung von Abgeschmacktheiten… Ja, Langeweile ;berkam mich und sogar noch schlimmeres als Langeweile. Nicht einmal Mitleid empfand ich mehr f;r meine Mitmenschen; alle Gef;hle gingen in dem einen Gef;hl unter, das zu nennen ich mich kaum getraue: das Gef;hl des Ekels. Aber am st;rksten, am f;hlbarsten wuchs in mir der Ekel vor mir selbst.

«H;r auf», fl;sterte Ellis. «H;r auf, sonst wird es mir unm;glich dich zu tragen. Du wirst mir zu schwer.»

«Nach Hause», entgegnete ich und schloss die Augen.

***

Doch wie bald schlug ich sie wieder auf! Ellis klammerte sich sehr sonderbar an mich; es war fast, als stie;e sie mich. Ich sah sie an, und in meinen Adern erstarrte das Blut. Wer jemals auf dem Gesicht eines anderen den j;hen Ausdruck tiefen Entsetzen erblickt hat, ohne die Ursache davon zu ahnen — vielleicht wird der mich verstehen. Entsetzen, qu;lendes Entsetzen verzerrte und entstellte die bleichen und beinahe ausgel;schten Z;ge.

«Was hast du, Ellis?» stie; ich endlich hervor.

«Er… er …» Sie konnte kaum sprechen. «Er!»

«Er? Ja, wer denn, wer?»

«Nicht nennen, nicht nennen», stammelte Ellis hastig. «Fliegen, sonst ist alles aus — f;r immer… Schau — dort!»

Ich wandte den Kopf und da sah ich etwas… ich sah etwas unsagbar Grauenhaftes.

Dieses Etwas war um so schrecklicher, als es keine festen Umrisse hatte. Etwas Schwerf;lliges, Finsteres, aus dem gelblichen ins schwarze Spielendes und wie ein Eidechsenbauch Geschecktes kroch langsam und mit Schlangenbewegungen ;ber die Erde hin und war nicht Wolke und nicht Rauch. Ein gleichm;;iges und breites Schaukeln von oben nach unten und von unten nach oben war es. Es erinnerte an das drohende Fl;gelschlagen eines Raubvogels, der auf Beute aus ist, und manchmal kam dazu ein unbeschreiblich widerliches Sich-an-die-Erde-Schmiegen, wie die Spinne ;hnlich die Fliege umarmt, die sie erwischt hat… Wo diese Masse hinkam, ich sah es, ich f;hlte es, war Vernichtung… Faulige, pestilenzialische K;lte stieg auf von ihr, und diese K;lte erregte Übelkeit, legte sich aufs Herz, tr;bte die Augen und str;ubte die Haare. Sie bewegte sich, die Masse, sie war eine Kraft, gegen die es keinen Widerstand gab und der alles untertan war, obwohl es weder Gesicht noch Gestalt, noch irgend einen Sinn hatte — die Kraft, die sich wie ein Raubvogel seine Opfer sucht, sie wie eine Schlange erdr;ckt und mit ihrer widerlichen Stachelzunge bedeckt…

«Ellis! Ellis!» schrie ich wie von Sinnen. «Der Tod! Der Tod!»

Der jammervolle Ton, den ich schon fr;her vernommen hatte, entrang sich Ellis’ Lippen, aber diesmal war es mehr ein menschliches Aufheulen der Verzweiflung — und schon rasten wir dahin. Aber wie seltsam war unser Flug, wie grauenhaft unsicher: Ellis ;berschlug sich mehrmals in der Luft und flog im Zickzack, wie ein Rebhuhn, das auf den Tod verwundet ist oder von seiner Brut abzulenken versucht. Von der unbeschreiblich grauenhaften Masse aber trennten sich inzwischen sonderbar wellenf;rmige Glieder, wie greifende H;nde, wie Krallen, und rollten durch die Luft… Die gigantische Gestalt eines verh;llten Reiters auf fahlem Pferd stieg auf… Noch erregter, noch verzweifelter wurde Ellis’ Flucht.

«Er hat uns gesehen! Alles ist aus! Verloren …!» Sie fl;sterte stockend. «Oh, ich Ungl;ckliche! Beinahe ;re es gelungen… neues Leben drang in mich… aber jetzt… Vernichtung! Das Nichts!»

Ich konnte es nicht l;nger ertragen… Ich verlor die Besinnung.

***

Als ich wieder zu mir kam, lag ich r;cklings im Gras. In meinem K;rper der dumpfe Schmerz, wie nach einem schweren Sturz. Der Morgen d;mmerte bereits, und alles ringsum wurde deutlich erkennbar. Da war ein Birken;ldchen und eine von Weidenb;schen eingefasste Landstra;e. Nach und nach kam mir die Erinnerung an alles, was geschehen war und ich

Скачать:PDFTXT

F;;en vorbei, vor;ber mit ihren Schluchten, Hohlwegen, Bergwiesen, mit den Lichtp;nktchen der schlafenden D;rfer in den T;lern am Ufer der schnellen Gebirgsb;che. Wir waren im Herzen des Schwarzwalds. Berge, Berge...